Warum geduldig sein so schwierig ist und was du tun kannst

Warum geduldig sein so schwierig ist und was du tun kannst

Warum geduldig sein häufig so schwierig ist und was DU tun kannst

„Ich will Geduld! Ich will sie sofort!“     (Anonym)

Vieles ist heutzutage schnell verfügbar. Wir Menschen sind durch verschiedenste Funktionen neuer Medien schnell erreichbar, aber auch Materielles ist schnell zu haben. Einfach ein paar Klicks im Internet und schon können wir uns freuen über die Dinge, die wir haben wollten. Dennoch gibt es immer noch ausreichend Situationen, die von uns Geduld erfordern. Weil wir es kaum noch gewohnt sind auf etwas zu warten, wird Geduldigsein für viele immer schwieriger. Warum ist Geduld wichtig und wie können wir sie fördern und dabei das Leben noch genießen?  

Was bedeutet Geduld eigentlich?
Laut Duden ist Geduld die „Ausdauer im ruhigen, beherrschten, nachsichtigen Ertragen oder Abwarten von etwas“. Doch Geduld ist mehr als warten können. Die Karrierebibel schlägt – besonders im Arbeitskontext – vor: „Geduld ist eine Tugend, die es erlaubt, unter Stress und Zeitdruck abwarten zu können, eigene Bedürfnisse zurückzustellen, sich aber weiterhin auf das Ziel zu fokussieren.“ Wie oben schon erwähnt ist Geduld nicht nur die Fähigkeit zu warten, sondern es geht um unsere innere Einstellung, während wir warten.
Aus der Perspektive der Achtsamkeit bedeutet Geduld in Kontakt zu sein mit der Zeit. Häufig sind wir im Geiste in der Vergangenheit (z.B. wenn wir grübeln) oder in der Zukunft (z.B. wenn wir planen, uns Sorgen machen,…). Wenn wir ungeduldig sind, sind wir in der Zukunft, weil wir uns wünschen, dass bereits ein Zustand eingetreten wäre, der – zeitlich betrachtet – noch gar nicht möglich ist. Geduld ist also schwierig, weil wir diese Situation, die wir gerade erleben nicht so sondern anders (schneller, fertig, ergebnisorientiert) haben möchten. Doch jede Ernte braucht Zeit, bis sie reif ist.

Das Gegenteil von Geduld wären Gefühle wie Ungeduld, Unruhe, Verlangen (etwas haben wollen),… Wenn wir ungeduldig sind, erleben wir häufig Hilflosigkeit und/oder fühlen uns überfordert. Aus dieser Ohnmacht heraus kann Wut entstehen.

Doch warum ist Geduld überhaupt wichtig und wozu brauchen wir sie?

  • Wenn wir Geduld haben, erleben wir weniger Druck.
  • Durch Geduld entwickeln wir mehr Ruhe, in der wir neue alternative Lösungsmöglichkeiten entwickeln können.
  • Wenn wir geduldig sind, sind wir weniger in unsere Emotionen verwickelt und können objektiver entscheiden.
  • Geduld ermöglicht es uns Ziele längerfristig zu verfolgen.
  • Wir nehmen mehr Details von der Welt wahr. Wir erleben die Welt angenehmer und schöner als wenn wir hetzen oder uns ärgern, weil etwas nicht schnell genug geht.
  • Der Blutdruck ist niedriger und wir haben ein stabileres Nervenkostüm.
  • und vieles mehr!

Was kann eine geduldige Haltung unterstützen?

  1. Ins Hier und Jetzt kommen:
    Wie oben schon erwähnt, sind wir in einer ungeduldigen Haltung, weil wir nicht im Hier und Jetzt sind. Was kann helfen, um ins Hier und Jetzt zu kommen?
  • Den Atem beobachten
  • Den Körper spüren
  • Alle 5 Sinne aktivieren (Was höre ich? Was sehe ich? Was schmecke ich? Was spüre ich? Was rieche ich)
  • Sich fragen: Was ist gerade JETZT? Bin ich mit meinem Projekt vielleicht ohnehin in der Zeit oder falls nicht, kann ich es noch schaffen? Oder: JETZT bin ich nicht zu spät. JETZT ist alles in Ordnung.
  1. Akzeptanz:
    Zunächst geht es darum, dass wir anerkennen (AKZEPTANZ), dass alles seine Zeit braucht, dass Menschen unterschiedliche Lebenstempi haben und dass nicht nur Erfolge sondern auch Rückschläge dazugehören. Akzeptanz bedeutet jedoch weder, dass wir resignieren noch dass wir die Situation gut heißen. Wir nehmen aus einer beobachtenden Situation heraus wahr, dass sich diese Situation gerade zuträgt („Ok. Das ist jetzt so.“) und bleiben dabei emotional ausgeglichen („Ok, ich bin jetzt ungeduldig. Das ist nicht schlimm.“ Dazu gehört auch, dass wir wissen, dass unsere eigene Geduld nicht immer gleich hoch ist. So schwankt sie zum Beispiel im Tagesverlauf von gering (morgens) über hoch (mittags) bis gering (abends).
  2. Gelassenheit:
    Für Geduld brauchen wir auch Gelassenheit, in dem Sinne, dass wir das, was gerade ist, für diesen Moment so lassen.
  3. Vertrauen:
    Wir brauchen Vertrauen, dass am Ende alles gut wird. Geduld kann man als Weggefährten für Vertrauen betrachten, auf dem Weg zu einem guten Gelingen.
  4. Interesse und Offenheit,
    um der Situation weiter interessiert zu begegnen und ihr zugewandt sind.
  1. Freundlichkeit, Selbst-Mitgefühl:
    Wir brauchen ein Maß an Freundlichkeit und Mitgefühl uns selbst gegenüber, während wir die Situation aus-halten (im Sinne von: bis zum Ende halten).
  2. Humor
    kann sehr hilfreich sein, um die Situation entspannter zu erleben.
  1. Rücksicht,
    wenn andere Fehler machen.
  2. Innere Bereitschaft und Verzicht:
    Wir benötigen die innere Bereitschaft, auf das zu warten, was wir gerne hätten oder erreichen möchten und gleichzeitig besteht die Möglichkeit, dass wir anerkennen, dass wir dafür auf etwas anderes verzichten.

 

In diesem Sinne: „Nimm dir Zeit – auch die Schnecke erreichte die Arche Noah.“ (Unbekannt) 🙂

Reflexionsfragen für dich:

  • In welchen Situationen kannst du leicht Geduld aufbringen, in welchen weniger?
  • Was hilft dir dabei, Geduld aufzubringen?
  • Beobachte dich in einem ungeduldigen Moment. Was kannst du in deinem Körper wahrnehmen?
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