Warum es wichtig ist, deine Gefühle wahrzunehmen und zu fühlen

Warum es wichtig ist, deine Gefühle wahrzunehmen und zu fühlen

Warum es wichtig ist, deine Gefühle wahrzunehmen und zu fühlen

Jeder kennt unangenehme Gefühle wie Angst, Wut, Enttäuschung, Traurigkeit, Scham und viele mehr. Die Liste an unangenehmen Gefühlen ist lang. Und weil sie unangenehm sind, möchten wir sie gern weg haben. Wir tendieren dazu, sie zu verdrängen, um sie nicht fühlen zu müssen. Doch dann werden die Gefühle nur noch stärker. Denn erst durch das Verdrängen, werden sie so richtig mächtig. Da helfen auch unsere Strategien zur Ablenkung, wie zum Beispiel essen, einkaufen, Computerspielen, Internetrecherche, übermäßiger Sport, reden, grübeln etc. nicht weiter.

Lesen, Schreiben, Rechnen, Turnen und vieles mehr lernen wir in der Schule. Doch eines der wichtigsten Dinge, nämlich wie wir mit unseren Gefühlen umgehen können, ist nicht im Lehrplan vorgesehen und auch unsere Eltern können bzw. konnten uns in dieser Hinsicht kaum konstruktive Hilfestellungen geben.
Dabei werden wir mit Gefühlen geboren. Ja, ohne Gefühle könnten wir gar nicht leben! Wenn wir als Säuglinge zur Welt kommen, drücken wir unsere Gefühle aus, damit unsere Bedürfnisse erfüllt werden und so unser Überleben gesichert ist. Gefühle sind eine überlebensnotwendige Information für die Umwelt und für uns selbst.

Diese Gefühle, die wir schon bei der Geburt mitbringen, sind Angst, Freude, Traurigkeit, Ekel, Neugierde und Wut. Diese Gefühle werden auch Basisgefühle oder primäre Gefühle genannt. Sie treten in unterschiedlichen Schattierungen auf. Ärger ist zum Beispiel eine mildere Form von Wut, Hass hingegen eine Steigerung. Außerdem können Gefühle auch gemischt auftreten: so können wir zum Beispiel gleichzeitig freudig aufgeregt als auch ängstlich aufgeregt sein.

Neben diesen Basisgefühlen gibt es Gefühle, dir bereits mit vielen Gedanken einhergehen, sogenannte sekundäre Gefühle . Meistens bemerken wir diese Gedanken gar nicht, weil sie nebenher bzw. unbewusst ablaufen. Dadurch ist uns meistens auch nicht bewusst, wie es zu diesem sekundärem Gefühl kam. Ein Beispiel für ein solches sekundäres Gefühl ist Verzweiflung: Hinter der Verzweiflung steht eine Traurigkeit oder ein Schmerz über eine gegenwärtige Situation. Dazu kommen aber noch Gedanken wie: „Das wird nicht klappen!“ oder „Das schaffe ich nicht mehr!“ oder „Das ist ausweglos!“. Manche Gefühle haben einen großen gedanklichen Anteil, das sind vor allem unsere Gefühle, die in Beziehungen zu anderen Menschen entstehen. Ein Beispiel dafür ist Stolz. Stolz geht mit Freude einher, die dann mit Bewertungen und Vergleichen (=Gedanken) verbunden ist: „Ich bin stolz, dass ich das geschafft habe. Jemand anderes hat/hätte das nicht so gut geschafft!“ etc.

Hinter den bereits genannten Gefühlen befinden sich noch andere Wahrnehmungen, die als tiefere Erfahrungen oder „stille Gefühle“ bezeichnet werden. Das sind vor allem Empfindungen von Ruhe, Stille, Frieden, Liebe, Leere, Weite oder Raum. Weil wir im Alltag vielen Reizen ausgesetzt und wir mit unzähligen Gedanken – mehr oder weniger bewusst – beschäftigt sind, können wir diese Form von Gefühlen kaum wahrnehmen. Meditative Übungen können uns helfen, diese Gefühlszustände zu erleben und zu kultivieren.
Gefühle können unterschiedlich lang andauern. Manche sind innerhalb von wenigen Sekunden wieder weg, andere können uns über Stunden, Tage und Wochen bis über wirklich lange Phasen begleiten.

Natürlicherweise verlaufen Gefühle wie Wellen: Sie kommen auf, erleben einen Höhepunkt und ebben dann wieder ab. Bei Kindern können wir diesen natürlichen Verlauf noch gut beobachten. Wir Erwachsenen sind vor allem bei unangenehmen Gefühlen sehr mit unseren Gedanken beschäftigt: „Ich halte das nicht aus!“, „Ich will hier weg!“, etc. Wenn wir aber flüchten oder das Gefühl durch bestimmte Verhaltensweisen (essen, fernschauen, einkaufen, etc.) verdrängen, können wir nicht erleben, wie das Gefühl wieder von alleine vergeht.

Wenn du deine Gefühle längerfristig ignorierst, kann sich das ganz schön stressig auf dein Leben auswirken:

  • Du aktivierst dadurch schwierige Emotionen erst richtig, d.h. sie halten an anstatt wegzugehen, denn Gefühle sind da um uns zu schützen und wollen wahrgenommen werden
  • Du erlebst ein geringeres allgemeines Wohlbefinden
  • Es fällt dir vermutlich auch schwer, angenehme Emotionen intensiv wahrzunehmen
  • Möglicherweise leidest du unter Gedächtnisstörungen
  • Du hast einen erhöhten Sympathikotonus, d.h. du bist ständig irgendwie in Alarmbereitschaft (z.B. erhöhter Blutdruck und Puls)

Wenn du hingegen lernst deine Gefühle zu akzeptieren und innerlich „ja“ zu ihnen zu sagen,

  • wirst du dich lebendiger und gleichzeitig ent-spannter fühlen
  • wirst du offener für das, was dir begegnet und mutiger, weil du dich nicht mehr vor deiner inneren Welt fürchtest
  • lernst du den Reichtum deiner inneren Welt entdecken und schätzen und kannst dadurch immer mehr auf überflüssige Reize von außen wie unnötigen Konsum etc. verzichten.

 

PS: Wenn du in deiner Vergangenheit sehr unangenehme Erfahrungen gemacht hast (z.B. Traumatisierung), die auch heute noch unangenehme Gefühle in dir auslösen, die du nur schwer bewältigen kannst, suche dir für deinen Umgang mit schwierigen Gefühlen bitte Unterstützung einer Psychotherapeutin oder eines Psychotherapeuten! Wenn du dir nicht sicher bist, ob Psychotherapie der für dich passende Rahmen ist, kannst du erst mal mit mir einen Gesprächstermin vereinbaren und wir schauen gemeinsam, was du dafür brauchst!

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