Wie du dir den Zauber des Anfangs bewahren kannst

Wie du dir den Zauber des Anfangs bewahren kannst

Wie du dir den Zauber des Anfangs bewahren kannst und wie dir das in deinem Leben  hilft

 

Ja! Anfänge haben meistens etwas Schönes, man freut sich auf Neues, meist auch mit der Hoffnung verbunden, dass etwas besser wird oder zumindest, dass das Neue Positives mit sich bringt – ein Gefühl, eine Stimmung des Zaubers liegt in der Luft.

Das ist ein ganz besonderes Gefühl, das wir sonst auf diese Art nicht erleben. Unser Gehirn wird aktiviert, unsere Motivation wächst um ein Vielfaches und wir haben ein Ziel vor Augen. Doch häufig ist es so, dass nach einiger Zeit die Dinge langweilig werden, der Reiz des Neuen zur Gewohnheit wurde, wir das Ziel aus den Augen verlieren, uns die Motivation abhanden kommt oder einfach „nur“ die Freude an der Sache. Du kennst das sicher von Diäten, von Beziehungen, von neuen Projekten,…

Dieser Prozess des Beginnens, der Routine und des Beenden einer Sache bzw. Beziehung zieht sich durch unser ganzes Leben und wiederholt sich immer wieder. Wäre es also nicht schön, den Anfängergeist ein bisschen länger oder für immer aufrecht zu erhalten? Doch schauen wir zunächst mal, was sich hinter dem „Anfängergeist“ verbirgt.

Anfängergeist als eines von 8 Prinzipien der Achtsamkeit
Das Prinzip des Anfängergeistes (japanisch: shoshin) kommt ursprünglich aus dem Zen-Buddhismus, in dem besonderes Augenmerk darauf gelegt wird, dass wir uns unseren Anfängergeist bewahren. Er ist eines von acht Prinzipien der Achtsamkeit, die vor allem Jon Kabat-Zinn mit seinem MBSR-Konzept im Westen etabliert wurde. Was ist nun das Besondere am Anfängergeist?
Gewöhnlich nehmen wir im Alltag die Dinge mit unseren eigenen Filtern war. Diese Filter bestehen aus unseren Überzeugungen, Vorstellungen und Erwartungen, die geprägt sind durch unsere Erfahrungen und Werte im Leben. Der Anfängergeist lädt uns ein, uns der Einzigartigkeit jeder Situation bewusst zu werden und uns ihr unvoreingenommen und neugierig zuzuwenden. Dadurch hilft er uns, alte Sichtweisen zu hinterfragen, neue Perspektiven sowie verschiedene Positionen zu einer Erfahrung einzunehmen. Wir entdecken neue Informationen und können dadurch neue Lösungsmöglichkeiten entwickeln.

Du trägst den Anfängergeist in dir! 
Wir alle haben ihn, er geht uns im Alltag nur allzu leicht verloren. Junge Kinder besitzen noch einen großen Anfängergeist. Du hast sicher schon beobachtet, wie fasziniert junge Kinder die Welt entdecken! Wie lange sie sich mit einem rollenden Ball beschäftigen können… sie untersuchen ihn, sie beobachten den Vorgang des Rollens, sie probieren unterschiedliche Untergründe, verschiedene Steillagen, lassen ihn über Hindernisse laufen,… – so lernen sie und erfahren Wichtiges über das Leben! Auch wir Erwachsenen könnten viel mehr Erfahrungen machen und lernen – auch über uns selbst – wenn wir nicht mit fertigen Vorstellungen durch den Alltag gingen sondern uns neu auf jeden Moment einlassen, als wäre es ein unbekannter! Tatsache ist, dass wir nicht wissen können, was im nächsten Moment passiert. Manchmal erleben wir sogar Überraschungen und werden aus dem Konzept geworfen, dennoch gehen wir meistens mit der „Ich-weiß-schon-was-passiert-Brille“ durchs Leben.

Der Anfängergeist in Beziehungen
Auch in der Kommunikation, in Beziehungen können unsere vorgefertigten Sichtweisen Schwierigkeiten bringen. Häufig denken wir, dass wir schon wissen, was der andere uns zu einem Thema bzw. als Reaktion auf unser Verhalten sagen wird. Meistens hören wir dem Gegenüber dann gar nicht so genau zu und überlegen uns schon Antwortmöglichkeiten auf das, was wir erwarten, das der andere sagen wird. Der Konflikt ist vorprogrammiert und wir befinden uns in einer Zwickmühle. Der Anfängergeist ist also auch wichtig in der Kunst des aktiven Zuhörens, in der Haltung, wie wir anderen begegnen und dadurch wesentlich für das Funktionieren von Beziehungen.

Wie kann dir der Anfängergeist in der Meditation helfen
Vielen Menschen, die noch wenig Meditationserfahrung haben, wird Meditation nach einiger Zeit langweilig oder sie empfinden sie als anstrengend. Die eigenen Gedanken lenken die Aufmerksamkeit immer wieder vom zu beobachtenden Objekt ab (z.B. Atem). Zugegeben, sie können schon sehr spannend sein, diese Gedanken! 😉 
Mit der Einstellung, deinen Atem, dich und das, was um dich geschieht, von Moment zu Moment neu zu betrachten, kannst du diese Schwierigkeiten verringern. Wenn wir denken, dass Meditation langweilig ist, weil wir den nächsten Moment schon kennen, hat dieser nächste Moment ja gar keine Chance anders wahrgenommen zu werden!
Wie du sicher schon weißt, beeinflussen unsere Gedanken unsere Körperfunktionen und unsere Gefühlswelt. Wenn du also permanent denkst, dann hat das Auswirkungen auf deine Körperempfindungen und deine Gefühle. Es wäre doch spannend zu entdecken, wie diese Zusammenhänge genau sind! Welcher Gedanke löst welche Körperempfindung und welches Gefühl aus? Ich verspreche dir, dass du mit dem Anfängergeist dabei immer Neues entdecken kannst, weil deine Innenwelt so komplex ist, dass sie nie „fertig erforscht“ ist! Auch wenn man schon Jahre meditiert, kann man sich mit dem Anfängergeist immer wieder neu entdecken. Wir lassen uns so leicht von den Reizen im Außen ablenken und können dadurch Neues entdecken, was wäre erst, wenn wir unsere Aufmerksamkeit mit Neugier nach Innen lenken?

Was kannst du tun, um deinen Anfängergeist länger aufrecht erhalten?
Einiges habe ich oben schon angesprochen. Ich fasse nun ein paar Punkte hier zusammen und ergänze sie:

  • Stelle dir die gegenwärtige Situation vor, als hättest du sie nie erlebt. Die Welt ist, wie wir sie wahrnehmen. Und wie wir sie wahrnehmen, hängt von unseren Gedanken ab. Wenn wir uns also denken: „Das kenne ich schon!“, hat die jeweilige Situation gar keine Chance, spannend zu sein.
  • Frage dich: „Was ist neu?“ „Was kann ich Neues an dieser Situation entdecken?“ „Was ist anders?“ Auch wenn wir manchmal im Leben den Eindruck haben, wir hätten das gleiche schon erlebt und wir wüssten schon, wie die Situation mal ausgehen wird: NICHTS kann sein, wie es schon mal war. Die Dinge und auch wir sind ständig im Wandel, auch wenn wir es nicht bemerken. Wir machen beständig Erfahrungen an denen wir uns entwickeln. Und nicht nur wir, auch andere! 😉
  • Stell dir vor, du bist ein Detektiv oder ein anderer Ermittler, der möglichst viele Details einer Situation herauszufinden versucht. Was kannst du alles erkennen, wenn du mit der Brille dieses Ermittlers die Situation betrachten würdest? Oder vielleicht hilft es dir auch die Rolle des Beobachters, des Zeugen einzunehmen, der sachlich schildert, was er gerade erlebt ohne die Hintergründe zu kennen.
  • Aktiviere deine Sinne und beziehe sie mit ein! Welchen Geruch kannst du gerade wahrnehmen? Welche Geräusche sind da, wenn du bewusst hinhörst? Welche konntest du nicht gleich erkennen? Was kannst du sehen? Was ist in deinem Blickfeld und was ist außerhalb deines Blickfeldes? Vielleicht gibt es auch einen Geschmack zu dieser Situation? Was ist auf und in deinem Körper zu spüren? Usw.
  • Beschreibe ein Objekt  jemandem, der keine Ahnung davon hat. So als wäre es jemand von einem fremden Planeten, der noch keine Vorstellungen, Überzeugungen oder Ideen hat. Wahrscheinlich wirst du erkennen, dass du dabei auf viel mehr Details achtest! Du kannst auch einem Gehörlosen versuchen ein Geräusch zu beschreiben oder einem Blinden etwas, das du mit deinen Augen wahrnimmst!
  • Experimentiere und hinterfrage deine eigenen Gedanken, Überzeugungen, Vorstellungen, Erwartungen, Glaubenskonzepte etc.!

Vielleicht kommt dir das zunächst etwas fremd oder sogar kindisch vor!
Versuche es einfach. Lass deine Überzeugungen los und geh mit dem Anfängergeist daran, deinen Anfängergeist zu entdecken! Ich verspreche dir, das Leben wird interessanter, du entdeckst mehr Details, bleibst weniger in deinen Überzeugungen hängen, du lernst dich selbst besser kennen und vieles mehr!

Viel Freude damit! Gerne kannst du mir schreiben, welche Erfahrungen du damit machst, wie es dir damit geht, etc.

 

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